Eine Jahrhundertgeschichte

Familie Mittelmann und ihr Fotoatelier in Leipzig

Abram Mittelmann wurde 1876 in Mohilev (Russland) geboren. 1904 zog er mit seiner Frau Rosa (geb. Mordchin) nach Leipzig. Im Fotoatelier am Peterssteinweg 15, wo die Familie ab 1909 lebte und arbeitete, wurden drei Kinder geboren: Leon (1906), Nadja (1909) und Siegfried (1917). Die Familie war fest in der jüdischen Gemeinde Leipzigs verwurzelt — die Kinder besuchten die Jüdische Schule und arbeiteten später im Atelier mit.

Rosa Mittelmann starb 1932. Nach 1933 wurde Abram Mittelmann mehrfach von der Gestapo verhaftet — seine Lebensgefährtin in dieser Zeit war Alma Goliner, geb. Samter.

Abram Mittelmann um 1920

Lfd Nr.: AM00001760

Porträt von Abram Mittelmann

Verfolgung, Flucht und Exil

1938 wurde Abram Mittelmann zur Flucht gezwungen. Über Dänemark gelangte er schließlich nach Belgien. Tochter Nadja und der 21-jährige Siegfried übernahmen die Auflösung des Fotoateliers. Siegfried floh kurz nach Kriegsausbruch über Italien nach Frankreich, Nadja entkam 1940 aus Deutschland. Abram Mittelmann und Alma Goliner heirateten im April 1940 in Brüssel — doch die antisemitische Verfolgung holte die Familie erneut ein.

Siegfried Mittelmann um 1922

Lfd Nr.: AM00001861

Das Bild zeigt den jungen Siegfried Mittelmann. Er wurde 1917 als jüngstes von drei Kindern der Familie Mittelmann in Leipzig geboren.

Porträt von Siegfried Mittelmann um 1922

Abschied von Selma um 1935

Lfd Nr.: AM00004052

Familienfoto offenbar in der Wohnung Mittelmann vor der Emigration von Selma Ascher 1935. Sie war die Schwester von Abram Mittelmanns Lebensgefährtin Alma.

Von links:
Alma und Julius Samter, Nadja Mittelmann, Alma Goliner, Herbert Samter, Selma Ascher (dahinter Hanna), Paula (geb. Samter) sowie Unbekannte.

Familienfoto offenbar in der Wohnung Mittelmann vor der Emigration von Selma Ascher 1935. Sie war die Schwester von Abram Mittelmanns Lebensgefährtin Alma. Von links: Alma und Julius Samter, Nadja Mittelmann, Alma Goliner, Herbert Samter, Selma Ascher (dahinter Hanna), Paula (geb. Samter) sowie Unbekannte.

Das Schicksal der Familie in der Shoah

Die Shoah überlebten nur Siegfried und Leon mit dessen Frau Lena und ihren Kindern. Ab Sommer 1940 mussten sie sich unter menschenunwürdigen Bedingungen verstecken und waren auf die Hilfe der französischen Bevölkerung angewiesen.

Nadja wurde nach einer Razzia in der Südzone Frankreichs verhaftet und im September 1942 von Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet. Abram Mittelmann wurde in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1942 bei einer Razzia in Brüssel auf offener Straße ermordet. Alma wurde in das SS-Sammellager Mechelen interniert, im Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet.