1934 traten Anna Burstein und Halina Schulsinger zwangsweise dem „Kulturbund Deutscher Juden“, später Jüdischer Kulturbund, bei. Die Spielräume für jüdische Künstler:innen verschwanden ab 1933 mit dem Berufsverbot und ihre Verdrängung aus dem Öffentlichen Leben schritt voran. Schulsinger und Burstein gaben 1934 und 1936 zwei Klavierkonzerte im Kulturbund Leipzig. Das einzige Theater, in dem Konzerte jüdischer Pianist:innen erlaubt waren, war das „Battenberg“ in der Tauchaer Straße 32/34 (heute: Rosa-Luxemburg-Straße). Bis 1938 war Halina Schulsinger unter anderem in Salzburg und spielte Mozart im berühmten Mozarteum.
Im selben Jahr wurde sie Opfer der sogenannten „Polenaktion“. Bei dieser ersten systematischen und gewalttätigen Deportation von polnischen Jüdinnen:Juden um den 28. Oktober 1938 wurde auch sie nach Polen abgeschoben. Später wurde sie in das Warschauer Ghetto deportiert. Im März 1942 gelang es Aktivist:innen im polnischen Untergrund, Schulsingers Tochter Jola aus dem Ghetto zu schmuggeln. Sie wurde versteckt, bis auch ihre Mutter im Dezember 1942 aus dem Ghetto entkam und sie abholte. Im Gegensatz zu ihrem Mann überlebte Halina Schulsinger den Holocaust. Sie immigrierte in die USA und ließ sich in Newark nieder. Dort trat sie der Musikfakultät der Rutgers University bei. Burstein und Schulsinger setzten als Professorinnen ihre gemeinsamen Auftritte fort.
Ein Projekt über den Jüdischen Kulturbund erinnert und gedenkt heute Halina Schulsinger. Two Pianos: Playing for life begleitet diese talentierten Frauen und macht ihre Geschichte – durch ihre Musik – sichtbar: https://www.judischekulturbund.com/two pianos-playing-for-life/.