Arnold und Jenny Schlein

Diese feierlich gekleidete Familie ließ sich vermutlich spätestens Mitte der 1930er Jahre fotografieren. Das undatierte Foto ist sorgsam durchkomponiert: die Großeltern Arnold und Jenny Schlein links, die jüngere Generation dahinter oder rechts neben ihnen.

Woher wissen wir das? Von einigen Personen auf dem Bild gibt es einzelne, mit dem Familiennamen Schlein beschriftete Porträts. Mehrere Angehörige sind in der Mitgliederkartei der Israelitischen Religionsgemeinde mit Geburtsdaten vermerkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten sie in der Bundesrepublik Deutschland Anträge auf Wiedergutmachung, die man im Landesarchiv Berlin einsehen kann. Recherchiert haben Michael W. Schönemann, Andrea Lorz und Johanna Sänger.

Arnold und Jenny Schlein

Lfd Nr.: AM00004030

Diese feierlich gekleidete Familie ließ sich vermutlich spätestens Mitte der 1930er Jahre fotografieren. Das undatierte Foto ist sorgsam durchkomponiert: die Großeltern Arnold und Jenny Schlein links, die jüngere Generation dahinter oder rechts neben ihnen.

Der Kaufmann Arnold Schlein ist ab 1933 mit Wohnanschrift Philipp-Rosenthal-Straße 23 in Leipzig nachweisbar. Zusammen mit seinem Sohn Ernst übernahm er vermutlich 1930 ein Möbel- und Ausstattungsgeschäft von N. Fuchs in der Kronprinzstraße 13 (kriegszerstört, heute Grünewaldstraße). Das Geschäft gab es schon etwa 20 Jahre, es führte auch Textilien und Kleidung, die man auf Raten kaufen konnte. Es wurde 1938 oder 1939 aufgelöst, sehr wahrscheinlich erzwungen.

Arnold Schlein (1875- 1963) wurde im preußischen Oberschlesien geboren, seine Frau Jenny (geb. 1871) in der Provinz Posen. Ihre Tochter Elisabeth (geb. 1905 oder 1909) wohnte in Leipzig bei ihnen. Sie war Schneiderin und konnte 1939 emigrieren. Sohn Ernst (geb. 1903) lebte mit seiner Frau Hilde in der Grassistraße 36. Beide konnten nach New York emigrieren. Die Eltern mussten danach in das „Judenhaus“ in der Funkenburgstraße 16 ziehen, konnten aber noch 1941 in die USA folgen. Vielleicht halfen ihnen Verwandte aus der großen Familie bei der Flucht, denn Arnold Schlein hatte acht Geschwister. Sein Bruder David (1881 – 1938) lebte seit 1911 mit seiner amerikanischen Frau Sadie in Magdeburg und führte ein sogenanntes Waren-Abzahlungsgeschäft. Während er die Shoah nicht überlebte, konnte seine Witwe dank ihrer US-Staatsbürgerschaft mit den Kindern in die USA übersiedeln. Stolpersteine in Magdeburg erinnern an die Familie.