Dr. Paul Freudenthal

Mit etwa 19 Jahren kam er 1896 durch ein Studium der Zahnmedizin nach Leipzig. Seit 1901 arbeitete Freudenthal als Zahnarzt in der Nähe des Hauptbahnhofs und erlangte 20 Jahre später seinen Doktortitel. Nach dem 1. Weltkrieg folgte sein Bruder Benno ihm nach Leipzig. Sie lebten gemeinsam in der Tauchaer Str. 2 (heute Rosa-Luxemburg-Straße).

 

Nach den Novemberpogromen 1938 verlor Dr. Freudenthal seine Zulassung. Fortan durfte er nur noch jüdische Patient:innen versorgen. Nach dem Attentatsversuch auf Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller am 8. November 1939 durch Georg Elser kam es im gesamten Deutsche Reich zu einer „Sonderaktion“. Paul Freudenthal wurde im Zuge dessen verhaftet und in das Leipziger Polizeigefängnis verschleppt. Nach der Radikalisierung der Verfolgung und Diskriminierung von Jüdinnen:Juden mussten die Brüder 1941 zwangsweise in  eines der „Judenhäuser“ in die Jacobstraße 11 umziehen. Gleichzeitig beschlagnahmte der NS-Staat ihre Vermögen.

Dr. Paul Freudenthal (Jg. 1877)

Lfd Nr.: AM00000869

Am 10. Mai 1942 – Anfang des Jahres begannen die Deportationen zur Ermordung von jüdischen Mitbürger:innen – wurden Paul und Benno Freudenthal in das Ghetto Bełżyce im Distrikt Lublin im besetzten Polen deportiert. Zuvor wurden sie dafür mit etwa 280 weiteren Menschen in der 32. Volksschule in der Yorkstraße 2 gesammelt.  Ihr Gepäck und die persönlichen Gegenstände wurden daraufhin beschlagnahmt und später vom Versteigerungshaus Klemm an die Leipziger Bevölkerung verkauft. Die Firma von Hans Klemm machte die privaten Besitztümer wie Wohnungsgegenstände zu Gunsten der Staatskasse zu Geld.

Paul (65 Jahre) und sein Bruder Benno Freudenthal (63 Jahre) kamen im besetzten Polen ums Leben. Der Gepäck-Anhänger von Paul Freudenthal befindet sich heute in der Gedenkstätte des Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek in Lublin (Polen) – und deutet auf einen möglichen Ort der Ermordung des Zahnarztes hin.