Eine jüdische Familie aus Leipzig im Fotoarchiv Mittelmann

Eigentlich gingen der Altmetallhändler Hersch Freier und seine Frau Rachel aus der benachbarten Münzgasse 3 für Familienfotos zur Konkurrenz: Zwei Häuser weiter, im Peterssteinweg 19, befand sich das Atelier »Georg Brokesch«. Dennoch finden sich Porträts von vier der erwachsenen Geschwister im Fotoarchiv Mittelmann. Anlässe gab es viele — zwischen 1904 und 1922 kamen elf Kinder der Familie in Leipzig zur Welt.

Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wollten einige Geschwister die Dramatik des Rassismus noch nicht wahrhaben, andere drängten zur sofortigen Flucht. Fünf Kinder kamen in nationalsozialistischen Lagern ums Leben, zwei konnten befreit werden — vier Geschwister und die Eltern retteten sich rechtzeitig nach Palästina.

Anna Freier mit einem ihrer Brüder

Lfd Nr.: AM00000341

Studioporträt der Geschwister Freier. Links Anna Freier und rechts einer ihrer Brüder

Max Freier floh 1939 nach Belgien. Seine Frau Betty und sein neunjähriger Sohn Heinz wurden in Auschwitz ermordet. Nach einem Todesmarsch ins KZ Natzweiler konnte er befreit werden und kehrte 1945 nach Leipzig zurück. Vier Jahre später folgte er den Überlebenden seiner Familie nach Israel.

Max Freier, Leipzig (Jg. 1905)

Lfd Nr.: AM00000929

Porträt von Max Freier mit Hut und ohne im Atelier

Porträt von Max Freier, 2 Bilder, jeweils von links und rechts, das linke Porträt ist mit Hut

Anna Freier zog 1937 zu ihrem Ehemann Salomon Glicksmann nach Chemnitz. 1944 wurde sie gemeinsam mit ihrer Tochter Ruth in Auschwitz ermordet.

Heinrich oder Elias Freier

Lfd Nr.: AM00001331

Studioporträt von Heinrich oder Elias Freier

Die beiden Männer konnten nicht eindeutig identifiziert werden, gehören aber nachweislich zur Familie Freier. Heinrich und Elias Freier kamen 1945 auf den Todesmärschen ums Leben.