Herbert Alexander

Auf dem Porträt ist Herr Dr. Herbert Alexander zu sehen. Doch woher wissen wir das? Ende 2025 erhielt des Stadtgeschichtliche Museum Leipzig eine Mail der Lokalhistorikerin Elisabeth Guhr, sie erkannte Dr. Alexander. Ausgangspunkt waren die Recherchen von Dr. Andrea Lorz.

Herbert Alexander wurde am 04.09.1902 in eine jüdische Familie in Leipzig geboren. 1922 legte er seine Abiturprüfung ab und nahm danach eine kaufmännische Lehre auf. 1924 fing er ein Medizin-Studium an. 1930 erhielt er die Approbation als Arzt und promovierte. 1933 verlor Alexander seine Position als Assistenzarzt. Um seine berufliche Existenz zu bewahren, ließ er sich im Dezember 1933 als praktischer Arzt in eigener Praxis nieder. Außerhalb seines Berufes war er im Jüdischen Kulturbund zu Leipzig und als Mitglied des Vorstandes der Leipzig-Loge (B’nai B’rith) aktiv. Auf sozialem Gebiet wirkte Dr. Alexander aktiv bei der Vermittlung jüdischer Waisen und unehelicher Kinder an Adoptiveltern. 1937 heiratete er Charlotte Lichtendorf. Ein Jahr später folgte der Entzug seiner Approbation. Um seine Existenz zu sichern trat er als Angestellter in das väterliche Geschäft S. Alexander & Co., Roscherstraße 24/26 ein.

Dr. Paul Freudenthal (Jg. 1877)

Lfd Nr.: AM00000869

Am 10. November 1938 – während der Novemberpogrome – gehörte Dr. Alexander zu den hunderten Verhafteten und wurde in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Seine Frau Charlotte konnte mittels einer Schiffskarte nach Shanghai den Nachweis einer erstrebten Auswanderung vorlegen, weswegen ihr Mann am 12. Dezember 1938 wieder freikam. Am 29. März 1939 konnten Herbert und Charlotte Alexander von Genua aus Europa in Richtung Shanghai verlassen.

Herbert Alexander

Lfd Nr.: AM00000344

Doppelprträt eines Manns im Anzug, links seitlich, rechts frontal

In einem Hospital in der Provinz Shantung gelang es dem Arzt, eine Stelle in einem Missionshospital zu bekommen. Er konnte seiner Familie zur Emigration nach China verhelfen. Aber auch hier kam es zu Überfällen und Plünderungen. Im Dezember 1945 wurde ihr Haus in Brand gesteckt und ausgeraubt. Er starb daraufhin am 11. Januar 1946 im Alter von 44 Jahren auf der Flucht vor der Achten Chinesischen Armee in Hsuchowfu. Dort befindet sich auch sein Grab. Seine Frau fand eine neue Heimat in Philadelphia, USA.