Lucie Steindorff

Lucie Steindorff wurde am 01.04.1879 in Dessau geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern in einer liberalen jüdischen Familie auf. Als erwachsene Frau arbeite sie in Leipzig als Klavierlehrerin und lebte in der Richterstraße 2. Da Lucie Steindorff die Schwester des berühmten Ägyptologen Georg Steindorff war, liegen vergleichsweise viele Informationen zu ihrem Leben vor.

Ihr Bruder war Professor und der Namensgeber des Ägyptischen Museums der Universität Leipzig. Als bedeutender Forscher hat er nach seinem Tod einen Nachlass mit Dokumenten aus den Jahrzehnten seiner Arbeit und teils persönlichen, familiären Inhalten hinterlassen. Auch aufgrund ihrer Verfolgung als Jüdin im Nationalsozialismus kann Lucie Steindorffs Schicksal nachvollzogen werden.

Lucie Steindorff (Jg. 1879)

Lfd Nr.: AM00000997

Am Morgen des 13. Januar 1941 fanden in Leipzig Hausdurchsuchungen bei den noch ansässigen Jüdinnen und Juden statt. Frau Steindorff wohnte zu diesem Zeitpunkt zur Untermiete in der Grassistraße 20. Die Gestapo suchte nach Geld, das die jüdische Bevölkerung noch bei sich hatte. Bei Lucie Steindorff wurden 500 Mark gefunden, die sie für ihre Ausreise zurückgelegt hatte. Bereits seit 1931 mussten deutsche Staatsbürger:innen Steuern bezahlen, wenn sie das Land verlassen wollten. Unter der NSDAP wurde es insbesondere für Jüdinnen und Juden sehr teuer auszuwandern. Frau Steindorff wurde aufgrund dieses Funds wegen „Devisenvergehens“ verhaftet und in dem Polizeigefängnis in der Leipziger Wächterstraße eingesperrt.

Lucie Steindorffs Geschwister waren bereits in den 1930ern in die USA ausgewandert und bemühten sich darum, ihre Schwester nachzuholen. Diese Bemühungen schlugen trotz der Prominenz ihres Bruders fehl. Am 28.03.1941 wurde Frau Steindorff in das Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Die Nationalsozialisten ermordeten die mittlerweile 63-Jährige am 10.05.1942 in der Tötungsanstalt Bernburg. Hier wurden von November 1940 bis 1943 im Rahmen der „Euthanasie“-Morde – also der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen fast 15.000 Menschen getötet. Darunter auch etwa 5.000 Häftlinge aus Konzentrationslagern wie Ravensbrück.