Auf dem Bild ist Dr. Otto Michael zu sehen. Woher wissen wir das? Die Leipziger Historikerin Dr. Andrea Lorz, welche zu den bekanntesten Forschenden im Bereich der jüdischen Geschichte in Leipzig zählt, hat die Geschichte von Otto Michael recherchiert. Ohne die engagierte Unterstützung des Sohnes, Walter Otto Michael, wäre dies nicht möglich gewesen.
Otto Michael
Michael Otto (Jg. 1876)
Foto Fotoarchiv Mittelmann
Lfd Nr.: AM00000893

Otto Michael wurde am 3. Juni 1876 in Leipzig in die jüdische Kaufmannsfamilie David und Mathilde Michael geboren. 1895 begann er ein Medizinstudium an der Universität Leipzig und erhielt im Mai 1900 die Approbation als Arzt. Er sammelte 1902 seine ersten beruflichen Erfahrungen als Schiffsarzt auf der Route von Hamburg nach Südamerika. Über die Zwischenstation Berlin kehrte er verheiratet 1910 nach Leipzig zurück. Sein Ziel, die Gründung einer eigenen Praxis, verfolgte er mit Ehrgeiz und großem beruflichen Engagement. Er eröffnete seine eigene Praxis 1918 in der Dresdner Straße 30, wo er wohnte. 1912 und 1919 brachte seine Frau Elisabeth die beiden gemeinsamen Söhne Peter und Walter zur Welt. Im Ersten Weltkrieg diente er als Lazarett-Chirurg. Dr. med. Otto Michael verbrachte seine Freizeit vor allem mit seiner Familie, aber auch mit Kunst, Theater und Musik. Bereits 1933 verstarb seine Frau Elisabeth. Ab 1933 wurde es für ihn durch antijüdische Gesetze immer schwieriger die Praxis zu halten. 1938 wurde ihm seine Approbation entzogen und er durfte lediglich als „Krankenbehandler“ Jüdinnen und Juden versorgen. Im Zuge dessen musste er seine Wohnung und Praxis aufgeben. Nach den Novemberpogromen um den 09.11.1938 wurde er in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt und später wieder entlassen. Im selben Jahr wurde der mittlerweile 62-Jährige zum Chefarzt des Israelitischen Krankenhauses berufen, welches zwangsweise in die abgelegene „Heil- und Pflegeanstalt“ Leipzig-Dösen umziehen musste. Über vier Jahre versorgte er hier Jüdinnen und Juden unter schwierigsten Bedingungen.
Am 16. Juni 1943 wurde Dr. Michael in das Konzentrationslager und Ghetto Theresienstadt deportiert. Etwa ein Jahr später verstarb der Arzt aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen vor Ort. Seit 1990 trägt eine Straße in Leipzig seinen Namen und 2008 wurde ein Stolperstein an seinem ehemaligen Wohnort verlegt.