Sophie Harmelin

Sophie Harmelin wurde am 20.10.1870 als Sara Garfunkel in Brody (Galizien, heute Polen und Ukraine) geboren.

Ihr späterer Ehepartner, Moritz Harmelin, gehörte zu einer der ältesten und aktivsten jüdischen Rauchwarendynastien auf dem Leipziger Brühl. Deswegen liegen auch zu Sophie Harmelins Leben Informationen vor.

Bereits 1818 gehörte Jacob Harmelin zu den ersten jüdischen Messmaklern, die in Leipzig zugelassen wurden. 1830 gründete sein Sohn, Marcus Harmelin, die erste jüdische Rauchwarenhandlung in Leipzig. Moritz Harmelin (geb. 1868) etablierte das Familienunternehmen als europaweit wichtigste Adresse für den Handel mit russischen Borsten. 1895 wurde Sophies erster Sohn Max geboren, 1900 folgte ihr Sohn Wilhelm. Mitte der 1920er Jahre wurde Wilhelm Harmelin Doktor der Rechtswissenschaften (Dr. jur.). Ihr Mann, Moritz Harmelin, starb bereits 1925. Wilhelm wohnte bei seiner verwitweten Mutter am Nordplatz 2 und machte sich als Anwalt einen Namen. Max leitete nach dem Tod des Vaters alleine die Familienfirma weiter.

Sophie Harmelin (Jg. 1870)

Lfd Nr.: AM00000012_1

1939 konnten die Söhne nach England auswandern. Das fast 110-jährige Familiengeschäft wurde wenig später aufgelöst.

Im September 1942 wurde Sophie Harmelin von einem der sogenannten „Judenhäuser“ in der Nordstraße 15 in das Konzentrationslager und Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie überlebte sowohl das Ghetto als auch die Typhusepidemie, die dort kurz vor Ende des Krieges im April 1945 ausgebrochen war. Mit 79 Jahren starb sie am 22. April 1949 an den Folgen der langjährigen Verfolgung in Leipzig. Ihre Urne wurde in der Erbbegräbnisstätte Harmelin auf dem Alten Jüdischen Friedhof in Leipzig beigesetzt.

Ihre beiden Söhne versuchten nach dem Zweiten Weltkrieg in London ein neues Geschäft aufzubauen, was scheiterte. Wilhelm Harmelin wurde in London zum Chronisten des Familienunternehmens und des jüdischen Rauchwarenhandels in Leipzig.