Wilhelm „Willy“ Löb

Wilhelm „Willy“ Löb wurde am 27.01.1912 in Leipzig geboren. Er war der älteste Sohn des jüdischen Fleischermeisters Sally Löb und seiner Frau Frieda. Woher wissen wir das? Seine Identifikation und sein Lebensweg gingen aus der Arbeit der AG Stolpersteine hervor.

Willy Löbs Vater verstarb bereits 1927 im Alter von 45 Jahren. Der Sohn erlernte das Fleischerhandwerk und konnte in dem seit 1909 bestehende Familiengeschäft praktische Erfahrungen sammeln. Der Fleischer Markus Ruhr übernahm das Geschäft nach dem Tod von Sally Löb. Im Jahr 1930 heirateten Markus Ruhr und Willys Mutter Frieda. Zusammen mit seinen Geschwistern Ruth (geboren 1914) und Gerhard (geboren 1925) zog die neue Familie in die König-Johann-Straße 10 (heute: Tschaikowskistraße).

Wilhelm „Willy Löb“ (Jg. 1912)

Lfd Nr.: AM00001656

Im August 1933, ein paar Monate nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten, floh Löb mit seiner Partnerin Sofie Schwarz nach Paris. Das Mittelmann-Foto ließ er vermutlich für die benötigten Ausweisdokumente aufnehmen. Im Oktober 1933 eröffnete Willy Löb eine koschere Metzgerei in Paris. Im April 1934 heiratete er Sofie Schwarz. Im April 1935 kamen die Eheleute nach Leipzig zurück und wohnten wieder im Waldstraßenviertel.

Für sich selbst zogen Löbs Mutter Frieda und Markus Ruhr eine Flucht aus Deutschland nicht in Erwägung. Doch sie unterstützten die drei Kinder bei ihrer Auswanderung. Willy Löb konnte mit seiner Frau im Februar 1939 nach England fliehen. Dies gelang kurz danach auch seiner Schwester Ruth. Löbs Bruder, der 14-jährige Gerhard „Gerd“, fand im Oktober 1939 zunächst Sicherheit in Dänemark. Nach der Verschärfung der deutschen Besatzung im Jahr 1943 organisierte der dänische Widerstand die Rettung der Jüdinnen und Juden nach Schweden.

Ihre Mutter Frieda und Markus Ruhr wurden mit der ersten Deportation aus Leipzig am 21.01.1942 in das Ghetto nach Riga verschleppt und dort ermordet.